7. TitelbildWas unterscheidet uns Menschen von den Affen? Wie konnten wir uns in dieser Form weiterentwickeln, während sie nahezu gleich geblieben sind? Nachdem ich in meinem letzten Artikel darauf eingegangen bin, wie sich einer unserer direkten Vorfahren ernährte, möchte ich jetzt einmal auf die physiologischen Unterschiede zu unseren nächsten Verwandten eingehen.

Ich möchte zwar in dem Beitrag auf Affen im Allgemeinen eingehen aber werde die Vergleiche immer mit einem Schimpansen ziehen, da diese uns genetisch sehr nahe stehen (99% identische DNA) und in etwa so groß wie eine durchschnittliche Frau sind.

Wenn man Schimpansen in der Natur beobachtet fällt einem auf, dass diese einen Großteil der Zeit am Essen sind und bei dieser Tätigkeit liegen tatsächlich auch die größten Unterschiede zwischen uns und ihnen.

Gebiss:

Zunächst einmal verbringen sie im Durchschnittsechs mal so viel Zeit beim Kauen wie wir. Das liegt vor allem daran, dass ihre Nahrung nahezu auschließlich aus Pflanzen besteht und roh bzw. nicht besonders energiedicht ist. Im Vergleich zum Menschen ist ihr Kopf überproportional groß und sie haben nahrungsbedingt einen deutlich stärkeren Kauapparat als wir. Dies haben sie tatsächlich auch mit allen anderen Affenarten gemein. Auch haben sie in der Regel deutlich größere Eckzähne als wir, was mehr dem Revierkampf als der Jagd dient.

Gehirn:

Obwohl Schimpansen einen größeren Kopf als wir besitzen, wiegt ihr Gehirn nur etwa ein Drittel des unsrigen. Unserem großen Gehirn haben wir vermutlich unseren evolutionären Vorteil zu verdanken. Aber ein derartig großes Gehirn möchte auch versorgt werden. Diese dafür notwendige Energie stammt wie bei allen Tieren aus der Verdauung.

Verdauungstrakt:

Obwohl oder gerade weil wir deutlich kürzer und weniger Nahrung konsumieren ist unser Verdauungstrakt deutlich kleiner als der eines Schimpansen. Er besitzt nur etwa ein Zehntel der Oberfläche, was an eine Anpassung auf besser verdauliche, sprich gekochte, Nahrung hindeutet. Stellt sich natürlich die Frage, warum wir irgendwann angefangen haben zu kochen. Was haben wir anderes gegessen, das man kochen musste, um es gut zu verwerten? Die Antwort findet sich in unserem Speichel.

Speichel:

In unserem Speichel befindet sich im Gegensatz zu anderen Affenarten eine große Menge Amylase. Wärend die anderen Arten nur 1-2 Kopien des AMI1 Gens (Gen das die Amylase verschlüsselt) haben, können Menschen bis zu 15 und mehr Kopien des gleichen Gens besitzen und entsprechend hohe Mengen Amylase produzieren. Amylase ist ein Enzym das in unserem Körper für die Spaltung von Stärke verantwortlich ist. Auch wenn man feststellen muss, dass die Zahl an AMI1 Kopien innerhalb der Menschen stark schwankt (Japaner haben z.B. deutlich mehr als Inuit), so unterscheiden wir uns trotzdem am meisten durch unsere Amylasekonzentration von den anderen Affenarten.

Was bedeutet das jetzt?

Der Mensch war zu Beginn seiner Entwicklung vermutlich nicht der Affe mit dem größten Gehirn oder dem kleinsten und schwächsten Gebiss, sondern vielmehr der Affe, welcher, durch eine Mutation, Knollen und unreife Bananen(bzw unreifes Obst im Allgemeinen) am besten verwerten konnte und somit eine bessere Energieversorgung hatte als andere Arten. Danach konnten wir es uns evolutionär „leisten“ unser Gebiss zu verkleinern, uns ein größeres Gehirn zuzulegen und uns auf wichtigere Dinge als Essen zu konzentrieren.

 

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